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Lackierfehler vermeiden und beheben: Fischaugen, Orangenhaut, Läufer & Co.

19 Jul, 2026

Lackierfehler vermeiden und beheben: Fischaugen, Orangenhaut, Läufer & Co.

Fischaugen im frisch gespritzten Klarlack, eine Oberfläche wie eine Orangenschale oder Läufer an der senkrechten Tür – kaum etwas ist ärgerlicher, als wenn nach stundenlanger Vorbereitung das Lackierergebnis nicht stimmt. Die gute Nachricht: Nahezu jeder Lackierfehler hat eine klar benennbare Ursache, und mit der richtigen Ausrüstung, sauberer Druckluft und der passenden Technik lassen sich die häufigsten Fehlerbilder zuverlässig vermeiden. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen aus über 25 Jahren Praxiserfahrung im Lackierbedarf, wie Sie die sechs häufigsten Lackierfehler erkennen, beheben und künftig gar nicht erst entstehen lassen.

Warum entstehen Lackierfehler überhaupt?

Die meisten Fehlerbilder im Lack lassen sich auf vier Ursachengruppen zurückführen: mangelhafte Untergrundvorbereitung, verunreinigte oder falsch aufbereitete Druckluft, falsche Einstellung bzw. falsches Equipment sowie ungünstige Verarbeitungsbedingungen wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Wer diese vier Stellschrauben im Griff hat, eliminiert erfahrungsgemäß über 90 Prozent aller Probleme, bevor sie entstehen. Gerade die Druckluftqualität wird dabei häufig unterschätzt: Ölnebel und Kondenswasser aus dem Kompressor gelangen unsichtbar in den Lackierstrahl und zeigen sich erst im fertigen Lackbild – dann ist es zu spät.

Fischaugen und Krater: Der Klassiker unter den Lackierfehlern

Fischaugen sind kleine, kreisrunde Vertiefungen im frischen Lackfilm, in deren Mitte der Untergrund sichtbar bleibt. Sie entstehen, wenn der Lack an einzelnen Stellen nicht benetzen kann – fast immer verursacht durch Silikon-, Fett- oder Ölrückstände auf dem Untergrund oder in der Druckluft.

  • Typische Ursachen: Silikonhaltige Pflegemittel, Trennmittelrückstände, Handschweiß, ölhaltige Druckluft aus dem Kompressor, verunreinigte Luftschläuche.
  • Vorbeugung: Gründliche Reinigung mit Silikonentferner, fusselfreie Tücher, saubere Druckluft über Filter und Wasserabscheider direkt an der Pistole.
  • Behebung: Betroffene Fläche vollständig durchtrocknen lassen, anschließend schleifen und neu aufbauen. Ein Überspritzen von Fischaugen führt fast immer zu neuen Kratern.

Der wirksamste Schutz gegen Fischaugen ist eine konsequente Druckluftaufbereitung. Ein Luftfilter mit Wasserabscheider direkt an der Lackierpistole hält Kondenswasser und Ölnebel zuverlässig zurück – eine kleine Investition, die teure Neulackierungen erspart.

Orangenhaut: Wenn die Oberfläche nicht glatt verläuft

Bei der sogenannten Orangenhaut verläuft der Lack nicht zu einem glatten Film, sondern bleibt wellig-narbig stehen – die Oberfläche erinnert an eine Orangenschale. Ursache ist fast immer ein gestörter Verlauf des Lackmaterials.

  • Zu hohe Viskosität: Der Lack ist zu dick eingestellt und kann nicht verlaufen. Halten Sie sich exakt an die Verdünnungsangaben des technischen Datenblatts.
  • Falscher Spritzdruck: Zu wenig Druck zerstäubt den Lack zu grob. Prüfen Sie den Eingangsdruck direkt am Pistolengriff, nicht am Kessel.
  • Zu großer Spritzabstand: Die Lackpartikel trocknen bereits im Flug an und können nicht mehr verlaufen. Ideal sind je nach System 15–21 cm.
  • Zu hohe Objekt- oder Raumtemperatur: Das Lösemittel verdunstet zu schnell. Verwenden Sie bei Wärme einen langsameren Härter bzw. Verdünner.

Leichte Orangenhaut lässt sich nach vollständiger Durchtrocknung mit feinem Schleifmittel (P1500–P3000) egalisieren und anschließend auf Hochglanz polieren. Die passenden Körnungen finden Sie in unserem Sortiment an Schleifmitteln von Mirka – vom Schleifblatt bis zur Feinschleifscheibe.

Läufer und Gardinen: Zu viel Material an senkrechten Flächen

Läufer (auch „Nasen“ oder großflächig als „Gardinen“ bezeichnet) entstehen, wenn an senkrechten Flächen mehr Material aufgetragen wird, als der Lackfilm halten kann. Die Schwerkraft zieht den nassen Lack nach unten.

  1. Materialmenge reduzieren: Lieber zwei dünnere Spritzgänge mit Zwischenablüftung als ein satter Auftrag.
  2. Spritzabstand einhalten: Wer zu nah an das Objekt geht, trägt punktuell zu viel Material auf.
  3. Gleichmäßige Führung: Die Pistole immer parallel zur Fläche führen, nicht aus dem Handgelenk schwenken, und jede Bahn zu etwa 50 Prozent überlappen.
  4. Viskosität und Temperatur prüfen: Zu dünn eingestellter Lack und kalte Oberflächen begünstigen Läufer erheblich.

Ausgehärtete Läufer werden vorsichtig plangeschliffen – bewährt hat sich ein harter Schleifklotz mit Körnung P1000–P1500 – und anschließend poliert oder bei tieferen Läufern neu überlackiert.

Staubeinschlüsse: Kleine Partikel, große Wirkung

Eingeschlossene Staubkörner sind der häufigste Lackierfehler in Hobby- und Kleinwerkstätten. Sie stammen aus der Umgebungsluft, von der Kleidung, aus schlecht gereinigten Schläuchen oder vom Objekt selbst.

  • Lackierbereich vor dem Spritzen feucht wischen oder den Boden benässen, um Staub zu binden.
  • Objekt unmittelbar vor dem Lackieren mit einem Staubbindetuch abwischen.
  • Fusselfreie Lackierkleidung tragen – Wollpullover sind der natürliche Feind jeder Lackierung.
  • Abdeck- und Abklebearbeiten sorgfältig ausführen, damit sich keine Partikel aus Falten lösen.

Einzelne Staubeinschlüsse lassen sich nach der Trocknung punktuell mit feiner Körnung ausschleifen und auspolieren – ein Fall für Feinschleifmittel wie Abralon oder Mikroschleifpapiere.

Kocher und Nadelstiche: Eingeschlossene Lösemittel

Kocher zeigen sich als feine Bläschen oder Nadelstiche im Lackfilm. Sie entstehen, wenn Lösemittel aus tieferen Schichten verdunstet, nachdem die Oberfläche bereits angetrocknet ist – die aufsteigenden Dampfbläschen durchstoßen den Film.

  • Zwischenablüftzeiten einhalten: Jede Schicht braucht Zeit, ihre Lösemittel abzugeben, bevor die nächste folgt.
  • Schichtdicke begrenzen: Übermäßig dicke Nass-Schichten sind die häufigste Kocher-Ursache.
  • Passenden Härter wählen: Bei hohen Temperaturen einen langen Härter verwenden, damit der Film nicht zu schnell zuzieht.

Matte Stellen und Wolkenbildung: Wenn Wasser im Spiel ist

Milchig-matte Schleier (Blushing) oder fleckige Wolken im Metallic-Lack deuten auf Feuchtigkeit hin – entweder aus zu hoher Luftfeuchtigkeit oder aus Kondenswasser in der Druckluftleitung. Besonders im Sommer und in unbeheizten Werkstätten sammelt sich erstaunlich viel Wasser im Kompressorkessel und in den Leitungen. Hier gilt dasselbe wie bei den Fischaugen: Ohne saubere, trockene Druckluft ist jede noch so sorgfältige Lackierung ein Glücksspiel. Kessel regelmäßig entwässern, Leitungen mit Gefälle verlegen und einen Wasserabscheider möglichst nah an der Pistole montieren – so bleibt die Spritzluft trocken.

Trockener Spritznebel: Raue, sandige Oberflächen vermeiden

Wirkt die lackierte Fläche stumpf, rau und sandig, spricht der Fachmann von trockenem Spritznebel (Overspray-Trockenheit). Die Lacktröpfchen trocknen bereits an, bevor sie die Oberfläche erreichen, und können sich nicht mehr zu einem geschlossenen Film verbinden. Die häufigsten Auslöser sind ein zu hoher Zerstäubungsdruck, ein zu großer Spritzabstand, eine zu schnelle Pistolenführung und zu schnelle Verdünner bei warmen Temperaturen. Reduzieren Sie den Druck auf den vom Hersteller empfohlenen Wert, verringern Sie den Abstand auf 15–21 cm und arbeiten Sie in ruhigen, gleichmäßigen Bahnen. Gerade HVLP-Pistolen mit ihrem hohen Auftragswirkungsgrad erzeugen deutlich weniger Spritznebel als konventionelle Systeme – ein Vorteil, der sich sowohl im Lackbild als auch im Materialverbrauch bemerkbar macht. Leichte Overspray-Rauheit auf der letzten Schicht lässt sich nach der Trocknung mit sehr feiner Körnung anschleifen und anschließend auf Glanz polieren.

Die richtige Grundeinstellung: Ihre beste Versicherung gegen Lackierfehler

Viele der beschriebenen Fehlerbilder – Orangenhaut, Läufer, trockener Spritznebel – haben ihren Ursprung in einer falsch eingestellten Pistole. Eine hochwertige Lackierpistole von SATA mit passendem Düsensatz, korrekt eingestelltem Eingangsdruck und sauber justierter Materialmenge ist die halbe Miete. Wie Sie Druck, Düse und Materialmenge Schritt für Schritt richtig einstellen, haben wir in unserem Ratgeber Lackierpistole richtig einstellen ausführlich beschrieben.

Lackierfehler im Überblick: Ursache und Lösung auf einen Blick

FehlerbildHauptursacheSofortmaßnahme
Fischaugen / KraterSilikon, Öl oder Fett auf dem Untergrund bzw. in der DruckluftDurchtrocknen lassen, schleifen, neu aufbauen; Druckluft filtern
OrangenhautZu dicker Lack, zu wenig Druck, zu großer AbstandFein schleifen (ab P1500) und polieren
Läufer / GardinenZu viel Material, zu geringer AbstandAushärten lassen, planschleifen, polieren
StaubeinschlüssePartikel aus Luft, Kleidung oder SchläuchenPunktuell ausschleifen und polieren
Kocher / NadelsticheEingeschlossene Lösemittel, zu dicke SchichtenSchleifen und neu lackieren
Matte Stellen / BlushingFeuchtigkeit in Luft oder DruckluftleitungWasserabscheider montieren, Kessel entwässern

Fazit: Sauber vorbereiten, sauber lackieren

Lackierfehler sind kein Schicksal, sondern fast immer die Folge vermeidbarer Ursachen. Wer den Untergrund gründlich reinigt und schleift, seine Druckluft mit Filter und Wasserabscheider aufbereitet, die Pistole korrekt einstellt und auf angemessene Schichtdicken achtet, wird mit einem gleichmäßigen, glatten Lackbild belohnt. Und sollte doch einmal ein Fehler passieren: Mit dem richtigen Schleifmittel in feiner Körnung und etwas Geduld lässt sich fast jedes Fehlerbild retten, ohne komplett neu lackieren zu müssen. Bei Fragen zur passenden Ausrüstung – von der SATA-Lackierpistole über Mirka-Schleifmittel bis zur Druckluftaufbereitung – stehen wir Ihnen als Fachhändler mit über 25 Jahren Erfahrung gern zur Seite.